Ein typischer Arbeitstag mit Tobias Hover

Über Tobias

Mein Name ist Tobias Hover und ich studiere an der Universität zu Köln Physik und Chemie auf Lehramt für Gesamtschulen und Gymnasien. Nebenbei arbeite ich als Studentische Hilfskraft (SHK) im “Sonderforschungsbereich 956: Conditions and Impact of Star Formation - Astrophysics, Instrumentation and Laboratory Research” des I. Physikalischen Instituts.
Mein Aufgabenbereich fällt unter die Öffentlichkeitsarbeit (Public Outreach), in deren Rahmen ich unter anderem den Schülerinnen und Schülern ein Radioastronomieexperiment aus dem Masterstudiengang Physik zugänglich mache und versuche ihnen dieses näher zu bringen. Dabei handelt es sich um ein mobiles 1 m‑Radioteleskop mit dem die Sonnentemperatur gemessen werden kann. Hier erhalte ich eine einmalige Möglichkeit als Lehramtsanwärter einen Einblick in die Forschung zu bekommen und gleichzeitig meine Fertigkeiten im Umgang mit Schülerinnen und Schülern (SuS) zu entwickeln und zu schulen.

Ein typischer Arbeitstag

Um Ihnen/Euch einen typischen Praxis-Arbeitstag darzustellen, möchte ich meinen Besuch an einer Schule im Rahmen des “Monats der Schulastronomie Bonn/Köln” schildern.
Der Tag begann bereits früh morgens um 5:30 Uhr am I. Physikalischen Institut. Als erstes musste ich das Versuchsequipment in den Transporter verladen und gegen Gefahren absichern, weil für den Versuch flüssiger Stickstoff benötigt wurde. Dieser muss von mir vor jedem Schulbesuch in ausreichender Menge transportfertig gemacht, verladen und nach strengen Regeln gesichert werden. Nach einem letzten Check, bei dem ich überprüfte, ob ich auch alles für die Vorführung des Versuchs zusammen hatte, konnte es auch schon losgehen. Eine Schilderung der Autofahrt, die je nach Schulstandort bis zu einer Stunde dauern kann, möchte ich der geneigten Leserschaft an dieser Stelle ersparen.

Die Schule war übrigens von mir im Vorfeld bereits einmal besucht worden. Bei dieser Gelegenheit hatte ich mit den Physikern vor Ort, also mit den Physiklehrern der Schule, bereits das Gelände ausgekundschaftet und einen Aufstellungsort für das Radioteleskop gesucht, so dass bei meiner Ankunft an diesem Tag alles reibungslos verlief. Der Teleskopaufbau und das Ausrichten können bis zu einer Stunde in Anspruch nehmen, eine Zeitspanne, die sich gefühlt immer unangenehm in die Länge zieht.

Doch schließlich war es soweit: das Teleskop stand und die neugierige Schülerschaft begann es zu begutachten. Erst aus weiter Ferne, wie ein UFO, das auf ihrem Schulhof gelandet zu sein schien, doch schließlich aus immer größerer Nähe, Neugier kennt schließlich keine Grenzen. Ich hatte keine Zeit, mich in diesem Moment um sie zu kümmern, denn ein Praxis-Tag bedeutet für mich ein straffes Programm: in einem nahe gelegenen Klassenzimmer stellte ich mich und das Radioteleskop erst einmal vor und begann mit einem einführenden Vortrag. Dieser befasste sich mit den benötigten Grundkenntnissen zum Verständnis des Versuches. Vorträge sind bei mir immer interaktiv gestaltet, um einen Einblick in den Wissensstand der Schülerinnen und Schüler zu bekommen. Dabei ist es immer wieder faszinierend, welchen Ideenreichtum diese an den Tag legen. Somit ist der Vortrag niemals langweilig, sondern eröffnet immer wieder neue Facetten.

Am Ende des ersten Vortrags wurden die Schülerinnen und Schüler je nach Klassengröße in Gruppen von maximal 6 Personen eingeteilt und führten nacheinander den Versuch durch. Ich versuche die Gruppen hierbei immer klein zu halten, damit jede und jeder während des Versuchs praktisch aktiv sein kann und ich wiederum besser auf die Fragen der einzelnen Schülerinnen und Schüler eingehen kann. So herrscht eine angenehme Lernatmosphäre. Nachdem alle Gruppen den Versuch durchgeführt hatten, begann ich mit allen Schülerinnen und Schülern die Auswertung.

Auf Grund der komplizierten Hintergründe, die ich für mein Publikum immer erst ein wenig didaktisch reduziere, um die Physik greifbarer zu machen, halte ich am Ende einer Versuchsphase immer zunächst selbst einen Vortrag. Erst danach lasse ich die Gruppen auswerten und im Plenum vergleichen. Wenn noch Fragen sein sollten, springe ich zur Seite und antworte dem einzelnen Schüler oder der gesamten Gruppe. Der Versuch ist so ausgelegt, dass bei der Auswertung an einigen Stellen ein unerwartetes Ergebnis auftaucht und die Schülerinnen und Schülern somit ihre Erwartungen überdenken müssen. Auch an jenem Tag wurden die Schülerinnen und Schüler wieder durch ihre Ergebnisse überrascht. Doch im Schülergespräch konnten wir die zunächst rätselhaft anmutenden Messergebnisse erklären.

Nach der gemeinsamen Auswertung, bekamen die Schülerinnen und Schüler eine kleine Sicherheitsunterweisung im Umgang mit tiefkalt verflüssigtem Stickstoff. Anschließend können typische Flüssigstickstoffversuche (meist Demonstrationsversuche) gemacht werden.

Nach der Verabschiedung ist hier der Versuchstag für die Schülerinnen und Schülern zu Ende und ich kann mit dem Abbau des Radioteleskops beginnen und den Rückweg ins I. Physikalische Institut antreten. Je nachdem wie viele Gruppen den Versuch durchgeführt haben, endet der Tag für mich etwa zwischen 16 und 18 Uhr.

Neben den Versuchstagen an Schulen arbeite ich an einem weiteren Versuch zum Thema “Heterodynprinzip im akustischen Frequenzbereich” und dem Projekt “Der Kölner Dom bei 11 GHz”. Dabei handelt es sich um eine Aufnahme des Kölner Doms im Radiowellenbereich.